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GratisEin wortgewandter Pfarrer
Richard Marsh
Velg versjon
»Ja, das nützt nichts, Herr Kandidat! « rief der Wirt ihm noch bis in den Flur hinterher. »Pastor Dundas ist ein ungewöhnlich wortgewandter Priester, das werden Sie schon bald zugeben. Nun, dann auf Wiedersehen! «
Der Kaplan ging in Richtung Pfarrhaus, versunken in viele widersprüchliche Gedanken.
»Was . . . Guten Tag! Sind Sie hier? «
Der Kaplan erhob sich und wurde rot an den Wangen.
»Fräulein . . . Fräulein Dundas? «
Dort, wo der Weg eine Kurve machte, waren sie einander begegnet. Beide sahen verwirrt aus.
»Seit wann . . . Ich meine, wie lange sind Sie schon hier? «
»Ich bin gestern angekommen, Fräulein! «
Sie überlegte einen Augenblick. Plötzlich lächelte sie:
»Aber Herr Gott, Herr Carr, Sie sind doch nicht der neue Kaplan? «
»Das bin ich – sind Sie die Tochter des Pfarrers? Ist das wahr? Nein, wo in aller Welt hätte ich das ahnen können? « Und er fuhr fort: »Ich habe die Anzeige in der Zeitung gesehen. Da stand nur: ‚Anfragen an den Pfarrer.‘ Ich bin sofort aufgebrochen, ahnte nicht, dass Sie hier wohnten, und ganz gewiss nicht, dass Ihr Vater der Pfarrer ist, geschweige denn mein eigener Pfarrer. «
Das junge Mädchen blickte nach unten. Sie glaubte ihm nicht ganz und lenkte das Gespräch auf andere Themen.

»Warum haben Sie Cranleigh verlassen? Dort war es doch so schön!«
Carr lächelte etwas bitter.
»Erinnern Sie sich an Pastor Jorvis? Er ist kein Redner und schätzt auch keine Kaplanen, die es sind. Seine Predigt reichte nur für 10 Minuten, und das verlangte er auch von anderen. Also ging ich weg, als sich nun eine Gelegenheit bot.«
»Ja, das sehe ich unbestreitbar.«
»– Ich höre ja sogar, dass Ihr Vater ein so ausgezeichneter Redner sein soll...«
»Das ist er auch! Ich finde, es ist etwas in seinen Predigten, das mich manchmal fast an Sie erinnert.«
»So?«
Sie errötete, verabschiedete sich hastig, äußerte jedoch noch einmal ihre Freude darüber, ihre alte Freundin so unerwartet hier in Maedenham wiederzusehen.
Er seufzte. Obwohl er jung und hübsch war, seufzte er.
Im Arbeitszimmer traf er den Pfarrer. Ein großer, intelligent aussehender Mann, den jeder als Schwiegervater gerne hätte.
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»Ja, das nützt nichts, Herr Kandidat! « rief der Wirt ihm noch bis in den Flur hinterher. »Pastor Dundas ist ein ungewöhnlich wortgewandter Priester, das werden Sie schon bald zugeben. Nun, dann auf Wiedersehen! «
Der Kaplan ging in Richtung Pfarrhaus, versunken in viele widersprüchliche Gedanken.
»Was . . . Guten Tag! Sind Sie hier? «
Der Kaplan erhob sich und wurde rot an den Wangen.
»Fräulein . . . Fräulein Dundas? «
Dort, wo der Weg eine Kurve machte, waren sie einander begegnet. Beide sahen verwirrt aus.
»Seit wann . . . Ich meine, wie lange sind Sie schon hier? «
»Ich bin gestern angekommen, Fräulein! «
Sie überlegte einen Augenblick. Plötzlich lächelte sie:
»Aber Herr Gott, Herr Carr, Sie sind doch nicht der neue Kaplan? «
»Das bin ich – sind Sie die Tochter des Pfarrers? Ist das wahr? Nein, wo in aller Welt hätte ich das ahnen können? « Und er fuhr fort: »Ich habe die Anzeige in der Zeitung gesehen. Da stand nur: ‚Anfragen an den Pfarrer.‘ Ich bin sofort aufgebrochen, ahnte nicht, dass Sie hier wohnten, und ganz gewiss nicht, dass Ihr Vater der Pfarrer ist, geschweige denn mein eigener Pfarrer. «
Das junge Mädchen blickte nach unten. Sie glaubte ihm nicht ganz und lenkte das Gespräch auf andere Themen.
»Warum haben Sie Cranleigh verlassen? Dort war es doch so schön!«
Carr lächelte etwas bitter.
»Erinnern Sie sich an Pastor Jorvis? Er ist kein Redner und schätzt auch keine Kaplanen, die es sind. Seine Predigt reichte nur für 10 Minuten, und das verlangte er auch von anderen. Also ging ich weg, als sich nun eine Gelegenheit bot.«
»Ja, das sehe ich unbestreitbar.«
»– Ich höre ja sogar, dass Ihr Vater ein so ausgezeichneter Redner sein soll...«
»Das ist er auch! Ich finde, es ist etwas in seinen Predigten, das mich manchmal fast an Sie erinnert.«
»So?«
Sie errötete, verabschiedete sich hastig, äußerte jedoch noch einmal ihre Freude darüber, ihre alte Freundin so unerwartet hier in Maedenham wiederzusehen.
Er seufzte. Obwohl er jung und hübsch war, seufzte er.
Im Arbeitszimmer traf er den Pfarrer. Ein großer, intelligent aussehender Mann, den jeder als Schwiegervater gerne hätte.»Ich predige immer, Herr Carr, bis auf eine einzige Ausnahme, jeden Sonntagmorgen das ganze Jahr über«, begann er autoritativ. »Natürlich investiere ich viel Arbeit in meine Predigten, deshalb möchte ich die Abende ganz frei haben.«
Der Kaplan verneigte sich.
Nun kam die Frau herein.
»Hubert! Frau Miller möchte, dass Sie ihr ‚Hamlet‘ vorlesen.« Sie erklärte dem Kaplan: »Mein Mann kann Shakespeare auswendig, und Milton und alle anderen. Er hat ein so außergewöhnliches Gedächtnis!«
Der Kaplan fand einige schmeichelnde Worte und sicherte sich damit eine Einladung für den Montag. An diesem Tag kamen immer einige Freunde in das Pfarrhaus.
Als er nach dem Besuch nach Hause kam, fand er einen Brief vor, der aus Cranleigh nachgesendet worden war.
»Was für ein Heuchler bin ich doch!« murmelte er. »Wie würde mich der Pastor hier verachten! Und Mimi – ja, sie am meisten von allen...«
Entschlossen öffnete er den Brief:
»Bitte senden Sie uns Manuskript Nr. 4: ‚Woran sollen wir glauben?‘ Es ist bereits drei Tage zu spät! Laut Vertrag sind wir verpflichtet, unserem Auftraggeber dies spätestens am Montagmorgen zu liefern.
Mit freundlichen Grüßen Cook & Sable.«
Der Kaplan zerriß den Brief.
»Eine nette Art, Geld zu verdienen,« murmelte er weiter. »Predigtenlieferant für Pastoren ohne Gehirn – hm!« Das Papier in den Kachelofen. »Ich frage mich, wer der Kunde ist, der der Firma 1000 Pfund pro Jahr für meine Predigten bezahlt. Er muss doch mindestens ebenso großer ein Heuchler sein wie ich.« Er ging im Wohnzimmer auf und ab. »Aber ich glaube, ich werde den Vertrag kündigen. Ich will nicht mehr! Die Predigten, die ich schreibe, werde ich künftig selbst halten. Die letzte, die ich geschickt habe, muss ich morgen Abend selbst verwenden. Es bleibt keine Zeit zur Vorbereitung!«
Am Sonntagmorgen war die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Es bestand kein Zweifel an Pastor Dundas' Popularität.
»Ist es immer so voll, wenn der Gemeindepfarrer predigt?«
»Ja, immer«, musste der Küster zugeben. »Aber der Pastor hält ja auch wunderbare Predigten.«
Der Kaplan verfolgte den Gottesdienst mit größter Aufmerksamkeit. Dundas' gesamte Auftreten beeindruckte ihn von der ersten Eingangsbeteiligung an.
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»Ich predige immer, Herr Carr, bis auf eine einzige Ausnahme, jeden Sonntagmorgen das ganze Jahr über«, begann er autoritativ. »Natürlich investiere ich viel Arbeit in meine Predigten, deshalb möchte ich die Abende ganz frei haben.«
Der Kaplan verneigte sich.
Nun kam die Frau herein.
»Hubert! Frau Miller möchte, dass Sie ihr ‚Hamlet‘ vorlesen.« Sie erklärte dem Kaplan: »Mein Mann kann Shakespeare auswendig, und Milton und alle anderen. Er hat ein so außergewöhnliches Gedächtnis!«
Der Kaplan fand einige schmeichelnde Worte und sicherte sich damit eine Einladung für den Montag. An diesem Tag kamen immer einige Freunde in das Pfarrhaus.
Als er nach dem Besuch nach Hause kam, fand er einen Brief vor, der aus Cranleigh nachgesendet worden war.
»Was für ein Heuchler bin ich doch!« murmelte er. »Wie würde mich der Pastor hier verachten! Und Mimi – ja, sie am meisten von allen...«
Entschlossen öffnete er den Brief:
»Bitte senden Sie uns Manuskript Nr. 4: ‚Woran sollen wir glauben?‘ Es ist bereits drei Tage zu spät! Laut Vertrag sind wir verpflichtet, unserem Auftraggeber dies spätestens am Montagmorgen zu liefern.
Mit freundlichen Grüßen Cook & Sable.«
Der Kaplan zerriß den Brief.
»Eine nette Art, Geld zu verdienen,« murmelte er weiter. »Predigtenlieferant für Pastoren ohne Gehirn – hm!« Das Papier in den Kachelofen. »Ich frage mich, wer der Kunde ist, der der Firma 1000 Pfund pro Jahr für meine Predigten bezahlt. Er muss doch mindestens ebenso großer ein Heuchler sein wie ich.« Er ging im Wohnzimmer auf und ab. »Aber ich glaube, ich werde den Vertrag kündigen. Ich will nicht mehr! Die Predigten, die ich schreibe, werde ich künftig selbst halten. Die letzte, die ich geschickt habe, muss ich morgen Abend selbst verwenden. Es bleibt keine Zeit zur Vorbereitung!«
Am Sonntagmorgen war die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Es bestand kein Zweifel an Pastor Dundas' Popularität.
»Ist es immer so voll, wenn der Gemeindepfarrer predigt?«
»Ja, immer«, musste der Küster zugeben. »Aber der Pastor hält ja auch wunderbare Predigten.«
Der Kaplan verfolgte den Gottesdienst mit größter Aufmerksamkeit. Dundas' gesamte Auftreten beeindruckte ihn von der ersten Eingangsbeteiligung an.Nun erwähnte Dundas den Text.
Der Kaplan hörte mit doppeltem Interesse zu. Der gleiche Text, den er in seiner letzten Predigt für Cook & Sable ausgewählt hatte. Also doppelt lehrreich!
Die Predigt begann.
Dundas sprach tatsächlich mit wahrer Beredsamkeit. Kein Manuskript auf dem Pult und dennoch eine Rede ohne Unterbrechungen und Falschheiten. Alle hörten gebannt zu. Selbst der Kaplan tat es. Als die Predigt zu Ende war, atmete er tief durch und gab zu: »Ja, ein außergewöhnliches Gedächtnis!«
Nach dem Gottesdienst folgte ein kurzes Gespräch zwischen den beiden Geistlichen:
»Sind Sie in der Lage, eine Predigt fair zu bewerten, Herr Carr?«
»Ja-a, ich weiß es wirklich nicht.«
»Zwischen uns – was halten Sie von meiner Predigt?«
»Jo-o. Sie haben ja eine absolut hervorragende Predigt gehalten...«
»Ja, Predigt – aber der Inhalt? Der Inhalt, liebe Frau, ist das Wichtigste! Das ist immer eines meiner Prinzipien.«
»Dieser Mann«, bekannte der Kaplan, als er wieder allein war, »ist wahrlich ein Charakter!«
Eine Dame grüßte ihn. Es war Fräulein Dundas.
»Was halten Sie denn von Vaters Predigt? Gut, nicht wahr? Ich finde, gerade diese heute erinnerte mich so sehr an die, die Sie früher in Cranleigh gehalten haben.«
»Nå, das glaube ich nicht!«
»Ja, warum nicht?«
Doch nun zeigte sich der Pfarrer wieder, und Vater und Tochter gingen zusammen zum Pfarrhaus.
Der Kaplan ging nach Hause, um zu Mittag zu essen. Kurz darauf kam seine Wirtin herein.
»Haben Sie angerufen?«
»Nein-nein.«
Sie sah, dass das Essen noch unberührt stand. »Warum essen Sie nicht, Herr Carr? Gefällt es Ihnen nicht?«
»Doch, es schmeckt mir tatsächlich.« Ohne weiteres Nachdenken begann er zu essen. Dann beeilte er sich, wieder zur Kirche zu gehen.
»Sie haben nicht genau untersucht, wie man predigen sollte. Ich hätte mehr erwartet, Herr Carr! «
– Im Gesellschaftskreis am Montagabend waren die Predigten des Pfarrers eine Zeit lang das allgemeine Gesprächsthema.
»Werden Sie bald Ihr Buch veröffentlichen, Herr Pastor? « fragte eine ältere Dame.
»So? Der Pfarrer schreibt an einem Buch? « fragte der Kaplan interessiert, da die Antwort auf sich warten ließ.
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Nun erwähnte Dundas den Text.
Der Kaplan hörte mit doppeltem Interesse zu. Der gleiche Text, den er in seiner letzten Predigt für Cook & Sable ausgewählt hatte. Also doppelt lehrreich!
Die Predigt begann.
Dundas sprach tatsächlich mit wahrer Beredsamkeit. Kein Manuskript auf dem Pult und dennoch eine Rede ohne Unterbrechungen und Falschheiten. Alle hörten gebannt zu. Selbst der Kaplan tat es. Als die Predigt zu Ende war, atmete er tief durch und gab zu: »Ja, ein außergewöhnliches Gedächtnis!«
Nach dem Gottesdienst folgte ein kurzes Gespräch zwischen den beiden Geistlichen:
»Sind Sie in der Lage, eine Predigt fair zu bewerten, Herr Carr?«
»Ja-a, ich weiß es wirklich nicht.«
»Zwischen uns – was halten Sie von meiner Predigt?«
»Jo-o. Sie haben ja eine absolut hervorragende Predigt gehalten...«
»Ja, Predigt – aber der Inhalt? Der Inhalt, liebe Frau, ist das Wichtigste! Das ist immer eines meiner Prinzipien.«
»Dieser Mann«, bekannte der Kaplan, als er wieder allein war, »ist wahrlich ein Charakter!«
Eine Dame grüßte ihn. Es war Fräulein Dundas.
»Was halten Sie denn von Vaters Predigt? Gut, nicht wahr? Ich finde, gerade diese heute erinnerte mich so sehr an die, die Sie früher in Cranleigh gehalten haben.«
»Nå, das glaube ich nicht!«
»Ja, warum nicht?«
Doch nun zeigte sich der Pfarrer wieder, und Vater und Tochter gingen zusammen zum Pfarrhaus.
Der Kaplan ging nach Hause, um zu Mittag zu essen. Kurz darauf kam seine Wirtin herein.
»Haben Sie angerufen?«
»Nein-nein.«
Sie sah, dass das Essen noch unberührt stand. »Warum essen Sie nicht, Herr Carr? Gefällt es Ihnen nicht?«
»Doch, es schmeckt mir tatsächlich.« Ohne weiteres Nachdenken begann er zu essen. Dann beeilte er sich, wieder zur Kirche zu gehen.
»Sie haben nicht genau untersucht, wie man predigen sollte. Ich hätte mehr erwartet, Herr Carr! «
– Im Gesellschaftskreis am Montagabend waren die Predigten des Pfarrers eine Zeit lang das allgemeine Gesprächsthema.
»Werden Sie bald Ihr Buch veröffentlichen, Herr Pastor? « fragte eine ältere Dame.
»So? Der Pfarrer schreibt an einem Buch? « fragte der Kaplan interessiert, da die Antwort auf sich warten ließ.
»Ich sammle meine Predigten,« antwortete der Pfarrer mit einem überheblichen Lächeln. Dass der Kaplan das nicht einmal wusste! Es stand doch mit B. M. A. S. auf der Anschlagtafel in der Kirche.
Der Pastor sprach weiter.
Der Kaplan ging in den Garten. Dort ging er im Dunkeln allein umher, fühlte sich so fremd und übersehen. Plötzlich kam eine Gestalt auf ihn zu.
»Wer ist das? « ertönte es barsch.
»Das bin ich! «
Nun sah er, wer es war.
Sie standen eine Weile schweigend da.
Carr reichte ihr zögernd die Hand.
Sie nahm sie an und leistete keinerlei Widerstand.
»Mimi! Ich wusste es doch. Ich wusste doch, dass Sie die Tochter des Pfarrers sind . . . «
»Jawohl! « Sie lachte. »Ich wusste auch, dass Sie der neue Kaplan sind . . . «
»Was . . . ist das wahr? Ach, Mimi –«
Er zog sie an sich und küsste sie.
»Mimi! « rief der Vater vom Fenster aus. »Was machst du da unten im Dunkeln? «
Ja, was hat sie denn getan?
»Die Verbindung zwischen uns muss enden. Ich kann Sie nicht als Kaplan anstellen!«
Der Pfarrer saß mit gerunzelter Stirn und ernstem Gesicht im Sessel seines Arbeitszimmers.
Der Kaplan verbarg sein Lächeln, doch Dundas fuhr fort:
»Es tut mir leid, das sagen zu müssen: Ihr Verhalten war alles andere als das eines Gentlemans!«
»In welcher Hinsicht, wenn ich fragen darf?«
Der Pfarrer runzelte die Augenbrauen noch stärker.
»Vor allem schuldeten Sie mir die Mitteilung, dass Sie meine Tochter kannten, bevor Sie in mein Haus kamen! – Ja, gewiss! Meine Tochter besitzt – als Erbgut ihrer Mutter – vielleicht auch von mir – erhebliche Talente, die ihr das Recht geben, weit höhere Ziele anzustreben als die eines theologischen Kandidaten Ihrer Art.«
»Also? Ja, davon hatte ich leider keine Ahnung.«
»Aber jetzt wissen Sie es also! Wenn Sie hier bleiben wollen, müssen Sie meine Tochter als Fremde betrachten, so wie sie Sie in Zukunft betrachten wird!«
»Hat sie das gesagt?«
Der Pffarrer nickte freundlich: »Sie hat auch das Recht, es zu sagen! Was überhaupt gibt Ihnen das Recht? Als Geistlicher sind Sie gescheitert, als Prediger sind Sie unter jeder Kritik. Gott bewahre – einem talentierten Mann kann ich viele Irrtümer verziehen haben, aber nur einem Talentierten.«
Der Kaplan lächelte wieder.
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»Ich sammle meine Predigten,« antwortete der Pfarrer mit einem überheblichen Lächeln. Dass der Kaplan das nicht einmal wusste! Es stand doch mit B. M. A. S. auf der Anschlagtafel in der Kirche.
Der Pastor sprach weiter.
Der Kaplan ging in den Garten. Dort ging er im Dunkeln allein umher, fühlte sich so fremd und übersehen. Plötzlich kam eine Gestalt auf ihn zu.
»Wer ist das? « ertönte es barsch.
»Das bin ich! «
Nun sah er, wer es war.
Sie standen eine Weile schweigend da.
Carr reichte ihr zögernd die Hand.
Sie nahm sie an und leistete keinerlei Widerstand.
»Mimi! Ich wusste es doch. Ich wusste doch, dass Sie die Tochter des Pfarrers sind . . . «
»Jawohl! « Sie lachte. »Ich wusste auch, dass Sie der neue Kaplan sind . . . «
»Was . . . ist das wahr? Ach, Mimi –«
Er zog sie an sich und küsste sie.
»Mimi! « rief der Vater vom Fenster aus. »Was machst du da unten im Dunkeln? «
Ja, was hat sie denn getan?
---
»Die Verbindung zwischen uns muss enden. Ich kann Sie nicht als Kaplan anstellen!«
Der Pfarrer saß mit gerunzelter Stirn und ernstem Gesicht im Sessel seines Arbeitszimmers.
Der Kaplan verbarg sein Lächeln, doch Dundas fuhr fort:
»Es tut mir leid, das sagen zu müssen: Ihr Verhalten war alles andere als das eines Gentlemans!«
»In welcher Hinsicht, wenn ich fragen darf?«
Der Pfarrer runzelte die Augenbrauen noch stärker.
»Vor allem schuldeten Sie mir die Mitteilung, dass Sie meine Tochter kannten, bevor Sie in mein Haus kamen! – Ja, gewiss! Meine Tochter besitzt – als Erbgut ihrer Mutter – vielleicht auch von mir – erhebliche Talente, die ihr das Recht geben, weit höhere Ziele anzustreben als die eines theologischen Kandidaten Ihrer Art.«
»Also? Ja, davon hatte ich leider keine Ahnung.«
»Aber jetzt wissen Sie es also! Wenn Sie hier bleiben wollen, müssen Sie meine Tochter als Fremde betrachten, so wie sie Sie in Zukunft betrachten wird!«
»Hat sie das gesagt?«
Der Pffarrer nickte freundlich: »Sie hat auch das Recht, es zu sagen! Was überhaupt gibt Ihnen das Recht? Als Geistlicher sind Sie gescheitert, als Prediger sind Sie unter jeder Kritik. Gott bewahre – einem talentierten Mann kann ich viele Irrtümer verziehen haben, aber nur einem Talentierten.«
Der Kaplan lächelte wieder.»Dann ist es wohl am besten, wenn ich noch heute abreise.«
»Heute?« Der Pfarrer war verblüfft. »Das geht nicht! Ich habe in diesen Tagen so unendlich viel zu tun, das wissen Sie doch. Heute ist bereits Donnerstag, und – ja, ich sag es gleich – Sie müssen am Sonntag die Hochmesse predigen; ich habe keine Zeit, mich vorzubereiten.«
»Ich soll am Sonntag predigen?« kam es erstaunt heraus.
»Ja, das müssen Sie;« lautete die nervöse Antwort. »Ich habe leider keine Zeit. Tun Sie es so gut Sie können... Ich verlange nichts weiter von Ihnen. Am nächsten Donnerstag können Sie dann abreisen.«
Der Kaplan verneigte sich und ging.
Zu Hause holte er sogleich Stift und Bücher hervor. Mit großer Ernsthaftigkeit machte er sich an die Arbeit, und nach einer Stunde war er fertig. Die gewünschte Predigt schickte er an Cook & Sable; der betreffende Klient würde sie also spätestens am nächsten Mittag erhalten.
In der Kirche war es an diesem Sonntag bis auf den letzten Platz voll – wie immer, wenn der Pfarrer predigte. Man ahnte ja gar nicht, dass er heute verhindert war. Übrigens hatte er in den letzten Tagen dem Kaplan erklärt, dass er diese Predigt durchaus selbst halten könne, aber Carr hatte sich vorbereitet, und der Pfarrer musste sich an die Vereinbarung halten.
Der Kaplan ging daraufhin auf die Kanzel. Der Pfarrer verfolgte ihn mit den Augen und wollte kaum glauben, was er sah: Carr war wie verwandelt. So sicher und bestimmt kamen alle Worte! Es gab sogar Ähnlichkeiten zur Predigt des Pfarrers vom letzten Sonntag und das gleiche Thema: »Was soll ich glauben?«
Alle hörten zu, der Pfarrer nicht zuletzt. Er saß mit starr vor Schreck geöffnetem Mund da, als höre er ein Gespenst sprechen.
»Herr Carr –« stammelte der Pfarrer verwirrt, als der Gottesdienst zu Ende war.
»Ja, Herr Pastor?«
»Hm – hm – da ist etwas, worüber ich Sie befragen möchte!«
»Zu Diensten!«
»Eh – äh – ich meine – war das Ihre eigene Predigt?«
»Meine eigene?« wiederholte Carr erstaunt. »Glauben Sie etwa, ich predige die Reden anderer? Nein, so unwürdig bin ich doch auch nicht – das wäre ja schlicht und einfach Betrug.«
»Ja, natürlich, ja. . . wohl schon. Das finde ich auch.«
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»Dann ist es wohl am besten, wenn ich noch heute abreise.«
»Heute?« Der Pfarrer war verblüfft. »Das geht nicht! Ich habe in diesen Tagen so unendlich viel zu tun, das wissen Sie doch. Heute ist bereits Donnerstag, und – ja, ich sag es gleich – Sie müssen am Sonntag die Hochmesse predigen; ich habe keine Zeit, mich vorzubereiten.«
»Ich soll am Sonntag predigen?« kam es erstaunt heraus.
»Ja, das müssen Sie;« lautete die nervöse Antwort. »Ich habe leider keine Zeit. Tun Sie es so gut Sie können... Ich verlange nichts weiter von Ihnen. Am nächsten Donnerstag können Sie dann abreisen.«
Der Kaplan verneigte sich und ging.
Zu Hause holte er sogleich Stift und Bücher hervor. Mit großer Ernsthaftigkeit machte er sich an die Arbeit, und nach einer Stunde war er fertig. Die gewünschte Predigt schickte er an Cook & Sable; der betreffende Klient würde sie also spätestens am nächsten Mittag erhalten.
In der Kirche war es an diesem Sonntag bis auf den letzten Platz voll – wie immer, wenn der Pfarrer predigte. Man ahnte ja gar nicht, dass er heute verhindert war. Übrigens hatte er in den letzten Tagen dem Kaplan erklärt, dass er diese Predigt durchaus selbst halten könne, aber Carr hatte sich vorbereitet, und der Pfarrer musste sich an die Vereinbarung halten.
Der Kaplan ging daraufhin auf die Kanzel. Der Pfarrer verfolgte ihn mit den Augen und wollte kaum glauben, was er sah: Carr war wie verwandelt. So sicher und bestimmt kamen alle Worte! Es gab sogar Ähnlichkeiten zur Predigt des Pfarrers vom letzten Sonntag und das gleiche Thema: »Was soll ich glauben?«
Alle hörten zu, der Pfarrer nicht zuletzt. Er saß mit starr vor Schreck geöffnetem Mund da, als höre er ein Gespenst sprechen.
»Herr Carr –« stammelte der Pfarrer verwirrt, als der Gottesdienst zu Ende war.
»Ja, Herr Pastor?«
»Hm – hm – da ist etwas, worüber ich Sie befragen möchte!«
»Zu Diensten!«
»Eh – äh – ich meine – war das Ihre eigene Predigt?«
»Meine eigene?« wiederholte Carr erstaunt. »Glauben Sie etwa, ich predige die Reden anderer? Nein, so unwürdig bin ich doch auch nicht – das wäre ja schlicht und einfach Betrug.«
»Ja, natürlich, ja. . . wohl schon. Das finde ich auch.«»Was halten Sie sonst von der Predigt, Pastor Dundas?« fuhr der Kaplan fort.
»Åh. . . ja. . . sehr nett, ganz nett!«
So trennten sie sich. Doch kaum eine halbe Stunde später klopfte es bei dem Kaplan an die Tür. Es war wieder Pastor Dundas.
Er ging sogleich zur Sache, zitterte dabei aber und war bleich wie ein Leichenblatt.
»Sagen Sie mir ernsthaft: schreiben Sie Predigten für andere als für sich selbst?«
Der Kaplan gab zu, er habe manchmal Predigten an Cook & Sable geschickt, hatte sich aber entschlossen, damit künftig aufzuhören.
»Und Sie halten das für die Tat eines geistlichen Mannes würdig –?« Die Augen des Pfarrers funkelten.
»Åh. . . Unwürdiger ist es jedenfalls, sie als eigene zu benutzen!«
Ihre Blicke trafen sich, und Dundas verlor plötzlich die Fassung. Er wurde plötzlich wie ein Kind.
»Ja, ich weiß es, ich weiß es –« jammerte er. »Aber warum. . . was habe ich Ihnen, Mensch, angetan, dass Sie mich zum Opfer auserwählen?«
»Leider hatte ich keine Ahnung, an wen meine Predigten von Cook & Sable gesendet wurden«, antwortete der Kaplan. »Pastor Dundas, ihm hätte ich davon am wenigsten zugetraut. Er wird in der ganzen Gegend für seine hervorragende Beredsamkeit gelobt.« Der Kaplan lächelte. »Ja, ja, die Entdeckung musste ja irgendwann kommen, da das Schicksal uns zusammengeführt hatte. Sei beruhigt: Das Geheimnis bleibt unter uns.

«
»Aber Sie reisen wirklich . . . « stammelte der Pastor nach der ersten Überraschung.
»Ja, das ist ja eine Vereinbarung.«
Der Pastor schüttelte energisch den Kopf.
»Herr Carr, das wird mein Verderben sein! Was soll ich, armes Menschenkind, tun? Jetzt erwartet meine ganze Gemeinde das Buch!« Der Mann war kurz davor, zu weinen. – »Könnten Sie . . . könnten Sie nicht, Carr, ich meine . . . Mimi im Namen Gottes nehmen . . . Sie sind ja talentiert . . . nehmen Sie sie und lassen Sie uns uns gegenseitig helfen . . . «
Der junge Kaplan sah offenbar seinen Pfarrer an.
»Und Sie halten das für geistlich angemessen, Pastor Dundas?«
»Natürlich, natürlich!« bestätigte er und wurde mit einem Mal enthusiastisch. »Schwiegerson und Schwiegervater! Das ist schön, das ist gut, das ist ein Vorbild für die Gemeinde.«
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»Was halten Sie sonst von der Predigt, Pastor Dundas?« fuhr der Kaplan fort.
»Åh. . . ja. . . sehr nett, ganz nett!«
So trennten sie sich. Doch kaum eine halbe Stunde später klopfte es bei dem Kaplan an die Tür. Es war wieder Pastor Dundas.
Er ging sogleich zur Sache, zitterte dabei aber und war bleich wie ein Leichenblatt.
»Sagen Sie mir ernsthaft: schreiben Sie Predigten für andere als für sich selbst?«
Der Kaplan gab zu, er habe manchmal Predigten an Cook & Sable geschickt, hatte sich aber entschlossen, damit künftig aufzuhören.
»Und Sie halten das für die Tat eines geistlichen Mannes würdig –?« Die Augen des Pfarrers funkelten.
»Åh. . . Unwürdiger ist es jedenfalls, sie als eigene zu benutzen!«
Ihre Blicke trafen sich, und Dundas verlor plötzlich die Fassung. Er wurde plötzlich wie ein Kind.
»Ja, ich weiß es, ich weiß es –« jammerte er. »Aber warum. . . was habe ich Ihnen, Mensch, angetan, dass Sie mich zum Opfer auserwählen?«
»Leider hatte ich keine Ahnung, an wen meine Predigten von Cook & Sable gesendet wurden«, antwortete der Kaplan. »Pastor Dundas, ihm hätte ich davon am wenigsten zugetraut. Er wird in der ganzen Gegend für seine hervorragende Beredsamkeit gelobt.« Der Kaplan lächelte. »Ja, ja, die Entdeckung musste ja irgendwann kommen, da das Schicksal uns zusammengeführt hatte. Sei beruhigt: Das Geheimnis bleibt unter uns.
«
»Aber Sie reisen wirklich . . . « stammelte der Pastor nach der ersten Überraschung.
»Ja, das ist ja eine Vereinbarung.«
Der Pastor schüttelte energisch den Kopf.
»Herr Carr, das wird mein Verderben sein! Was soll ich, armes Menschenkind, tun? Jetzt erwartet meine ganze Gemeinde das Buch!« Der Mann war kurz davor, zu weinen. – »Könnten Sie . . . könnten Sie nicht, Carr, ich meine . . . Mimi im Namen Gottes nehmen . . . Sie sind ja talentiert . . . nehmen Sie sie und lassen Sie uns uns gegenseitig helfen . . . «
Der junge Kaplan sah offenbar seinen Pfarrer an.
»Und Sie halten das für geistlich angemessen, Pastor Dundas?«
»Natürlich, natürlich!« bestätigte er und wurde mit einem Mal enthusiastisch. »Schwiegerson und Schwiegervater! Das ist schön, das ist gut, das ist ein Vorbild für die Gemeinde.«So sprach der alte Pastor, während ihm der Schweiß über die Stirn lief. Diese selbstverfasste Predigt von Pastor Dundas hatte wirklich, für einmal, Erfolg gehabt.
Carr und Mimi blieben zusammen.
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So sprach der alte Pastor, während ihm der Schweiß über die Stirn lief. Diese selbstverfasste Predigt von Pastor Dundas hatte wirklich, für einmal, Erfolg gehabt.
Carr und Mimi blieben zusammen.
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